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23. September 2019

Verlorene Gebiete

Modische Selbstaufgabe auf Einkaufsstraßen und Filmpremieren

 

Man muß nicht schlank sein, um sich schick zu kleiden. / Bild: © shutterstock

 

Letztes Jahr kehrte meine Mutter von einem Shopping-Ausflug auf die Düsseldorfer KÖ mit der Erkenntnis zurück, daß auch diese Hochburg des guten Kleidungsstils als verlorenes Gebiet angesehen werden muß. Ging man früher auf dieser exklusiven Einkaufsstraße bummeln, kleidete man sich ordentlich und schick. Es mußte nicht teuer oder exklusiv sein. Es ging um eine gepflegte, modebewußte Optik, die gelebt wurde. Offensichtlich gibt es kaum noch einen Ort, wo mittlerweile keine erschreckend hohe Anzahl der Menschheit in einer Klamotte in die Öffentlichkeit geht, die nach Sofa-Lümmel-Look aussieht.

Früher ging frau in Deutschland so nicht einmal zum Briefkasten; „was sollen denn die Nachbarn denken“. Heute hingegen ist es den Leuten nicht nur egal, was die Nachbarn denken, sondern es ist ihnen generell egal, was überhaupt irgendjemand von ihnen denkt. „Oh wie schön und angenehm“, könnte man jetzt glauben, wenn einem die Meinung anderer komplett schnuppe ist. Aber diese „Egal-Haltung“ zieht sich bis auf die Arbeit durch. Und so sehe ich eben heutzutage auch in Büros, bei beruflichen Terminen und sogar Preisverleihungen Leute, die völlig unpassend gekleidet sind.

Beim Bayerischen Filmpreis kam mal die Gewinnerin für das „Beste Kostümbild“ zur Entgegennahme der Trophäe in einer Klamotte auf die Bühne, die mich entsetzte. Ausgerechnet sie, die es weiß Gott besser wissen müsste, war sie doch vom Fach, hatte einen zeltartigen schwarzen Sack an und dazu eine Wuschelfrisur Marke Vogelnest. Sie sah aus, als sei sie eben vom Sofa aufgesprungen, hätte 39 °C Fieber und wolle nur mal schnell vorbeischauen. Leider gibt es immer häufiger Frauen – und auch Männer! – auf festlichen Veranstaltungen, die unpassend gekleidet sind. Aber eben auch die ganz normalen Leute auf der Straße sehen häufig schlampig und ungepflegt aus. Ich frage mich, wieso sich die Deutschen eigentlich nicht mehr elegant und geschmackvoll anziehen können.

 

In den 1950er Jahren sah auch der Freizeit-Look angemessener aus. / Bild: © shutterstock

 

Es gab mal eine Zeit, da ging eine Frau nicht ohne kleines Handtäschchen aus dem Haus. Hut war optional, aber eine gekämmte oder toupierte Frisur unabdinglich. Wenn sie nicht Marlene Dietrich war oder einer revolutionären Frauenbewegung angehörte, trug sie auch keine Hosen. Eine Frau sah aus wie eine Frau und nicht wie ein Neutrum. Leggings, Schlabber-T-Shirt, Jogginghase, ungekämmte Haare, so ging man nicht auf die Straße. Letztlich geht es hier auch nicht um Hosen oder Röcke (ich trage auch gern Hosen), oder um Hüte und toupierte Haare, sondern um ein gepflegtes, ordentliches Äußeres. Dem Anlaß entsprechend gekleidet zu sein, heißt, dass man den Unterschied zwischen Sportstudio und Pferderennbahn oder zwischen Sofalümmeln und Einkaufsbummel verstanden hat.

 

„Liebe Frauen, eine Leggings ist keine Straßenhose, sondern gehört ins Sportstudio, genauso wie die dicken Popos, die sich häufig darin befinden. Man muß auch nicht jeden Burger essen, der einem angeboten wird.“

„Liebe Männer, Jungs und Bubies, Karl Lagerfeld hatte recht, als er sagte, dass ein Mann, der eine Jogginghose auf offener Straße trägt, die Kontrolle über sein Leben verloren hat. Und ich füge an, es sieht zudem auch noch lächerlich aus und man verliert völlig den Respekt vor euch. Echte Männer tragen anständige Kleidung!“

 

Wer Respekt vor sich selber und anderen hat, hat kein Problem damit, sich ordentlich anzuziehen oder sich an eine Kleiderordnung zu halten.

 

Helena von Rehberg

Resümee eines Jahres

Würde.

Problem gehabt.

Sich nicht versteckt.

Wissen angeeignet.

Gekämpft.

Rückschläge erlitten.

Weiter gekämpft.

Spreu vom Weizen getrennt.

Personen des Vertrauens gefunden.

Ängste überwunden.

Gewonnen.

Erleichtert.

Dankbar.

Ich bin glücklich.

Daniele Ludewig

INSPIRATION & MOTIVATION


In der Art wie wir leben, wie wir wohnen, und wie wir uns kleiden, aber auch im Umgang mit anderen Menschen wird unsere subjektive Wahrnehmung beansprucht oder auch beeinflußt. Positiv wie negativ. Das Wort Ästhetik drückt dieses subjektive Empfinden über Schönheit und Harmonie am besten aus und führt zur Auseinandersetzung damit.

Ist nur Symmetrie harmonisch?
Oder entsteht Harmonie auch durch Vielfalt?
Und ist Vielfalt immer schön?
Jeder entscheidet das für sich selbst.

Belle Sophie möchte Gedanken zu diesem vielseitigen Thema, das sich durch alle Lebensbereiche zieht, mit anderen teilen, und keine absolute Meinung vermitteln. Hier soll zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung, und manchmal zum Schmunzeln, angeregt werden. Bestenfalls ist sie ein Wegweiser für eine Gesellschaft, die vielleicht ein bisschen vergessen hat, auf sich selbst und den Umgang mit anderen Menschen zu achten!

Über Belle Sophie

Auf Belle Sophie geht es um Ästhetik.
Sie umgibt uns und begegnet uns jeden Tag in verschiedenster Form. Nicht immer ist das Empfinden für Ästhetik dasselbe. Meinungen gibt es unzählige. Auf Belle Sophie wird eine dieser Meinungen vermittelt.

Aus Liebe zum "ß", weil es einfacher schöner aussieht, taucht es in den Texten ab Oktober 2018 wieder auf. 


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Daniele Ludewig
Helena von Rehberg
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